L.Ö.W.E. - Eine Initiative der Bergischen Universität Wuppertal


Die Abkürzung L.Ö.W.E. steht für "Lernwerkzeuge öffnen Wege zum Erfolg".

Der Name ist Programm: Seit nun über 3 Jahren leitet PD Dr. Werner Kuhmann seine studentischen "Löwen" dabei an, sich zunächst selbst in Lernmethoden einzuarbeiten, und andererseits im Anschluss diese Kenntnisse in Schulen weiterzugeben. Die Methoden dienen insesondere dazu, (a) das Lesen von Texten effektiver zu machen (Wissensgewinnung), (b) das Wissen zu strukturieren und zu verknüpfen (Wissensstrukturierung) und (c) sich selbst besser auf Lernen einzustellen (Konzentration- und Entspannung)

L.Ö.W.E. in Aktion im UnterrichtDie Arbeitseinheiten setzen sich dazu mit der besonderen Thematik auseinander, wie sie sich typischerweise häufig an Hauptschulen vorfinden lässt: Kinder aus Familien in sozialen Brennpunkten, deren Bewältigungsstrategien kein ausreichendes Fundament für die Qualifikation an einer höheren Schule ermöglichen. Oft treffen dabei zwei Komponenten aufeinander: Erstens ein ungünstiges und wenig effektives Lernverhalten und zweitens eine geringe Toleranz beim Umgang mit Fehlern und Nichterreichen von Zielen. Das L.Ö.W.E.-Projekt versucht, Kindern "Kopfwerkzeuge" an die Hand zu geben, mit denen sie die ihnen gestellten Aufgaben effektiver bewältigen können. Dies kann kann ein erster Schritt in Richtung Kompetenzerwerb sein, der als kognitive Strukturierung zu verstehen ist, die durch entsprechende Lerntechniken unterstützt wird.

Die Lerntechniken werden an einfachen Aufgabenstellungen demonstriert und geübt. Das Ziel ist, Kindern ein Gespür dafür zu geben, dass sie erfolgreich sein können, wenn sie die vermittelten Lerntechniken üben und systematisch einsetzen. Jede noch so effektive Lerntechnik muss geübt werden. Geht man davon aus, dass Kinder im Laufe ihrer Schulkarriere je nach Verlauf eine bessere oder schlechtere "Lernhaltung" entwickeln, so steht jede neue Art des Lernens zunächst in Konkurrenz zu den gewohnten Abläufen. Je nach dem Grad der Verfestigung bisheriger (Lern-)Gewohnheiten ist Kindern (und auch Erwachsenen) häufig garnicht bewusst, dass sie in der Wiederholung gewohnter Abläufe beim Lernen eine Strategie des Lernens entwickelt haben, deren Effektivität dann meist nicht mehr überprüft wird. Dies ist unproblematisch, solange ausreichender Erfolg bei Lernhandlungen gegeben ist.

Problematisch werden solche impliziten Strategien dann, wenn das angestrebte Ziel nicht erreicht wird und Kinder (und auch Erwachsene) bei Misserfolgen keine alternativen Strategien und Techniken des Lernens zur Verfügung haben. Dennoch können neue Lerntechniken und Lernstrategien nicht "einfach so" erfolgreich umgesetzt werden, da ihr Einsatz normalerweise immer wieder durch die "alten" Strategien und Verhaltensweisen gestört wird. Kehren Kinder dann zu ihren gewohnten und impliziten Strategien und Techniken des Lernens zurück, so ist oft festzustellen, dass nun auch diese von den neuen Techniken und Strategien gestört werden: Lernen gelingt phasenweise noch schlechter als vorher. Diese Phase der Frustration zu überwinden ist wichtig. Im L.Ö.W.E.-Projekt soll dies dadurch unterstützt werden, dass die Kinder in der Projektphase nicht benotet werden, so dass Fehler oder nicht eintretender Erfolg keine negativen Nachwirkungen haben.

 

LÖWE - Lernwerkzeuge öffnen Wege zum Erfolg

Warum Lernen mit "System“ bzw. mit "Lernwerkzeugen"?

Bis etwa zum Schuleintritt ist Lernen für Kinder normalerweise das beiläufige Ergebnis der Beschäftigung in verschiedenen Tätigkeitsbereichen. Wir bezeichnen dies oft als „Spielen“. Kinder strukturieren im Spiel ihre jeweilige Welt in der Phantasie und erwerben dabei Wissen über diese Welt, deren Objekte, Ereignisse und Zustände, ohne dass es ein konkretes Lernziel gibt. Wichtiges Instrument dieses Lernens ist ihre Phantasie und ihre jeweilige Erfahrung mit der Welt. Daran beteiligte Personen,  z.B. Erwachsene, werden von Kindern normalerweise bereitwillig als Modell und als Wissensquelle akzeptiert.

In der Schule ändert sich für Kinder das Lernen dahingehend, dass konkrete Lernziele von außen vorgegeben werden. Im Vergleich zum vorherigen „spielerischen Lernen“ wird Lernen nun zu einer Arbeitsaufgabe und damit eben auch zur Arbeit, deren Effektivität überprüft und bewertet wird. Schülerinnen und Schüler in allen Schulformen werden dabei häufig mit Forderungen nach effektiven Lernleistungen in bestimmten Bereichen konfrontiert (das „Was“ einer Anforderung), ohne dass ihnen gleichzeitig mitvermittelt wird, wie sie die Anforderungen einlösen sollen (das „Wie“ der Anforderungserfüllung). Lehrer und Lehrerinnen vermitteln „Lernstoff“, jedoch nicht unbedingt diejenige Art und Weise des Umgangs mit diesem Stoff, die zu einer effektiven Strukturierung und damit Lernleistung führt. Damit ist schulisches Lernen vergleichbar mit einer handwerklichen Aufgabenstellung, für die dem Ausführenden nicht die entsprechenden Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Das Projekt „L.Ö.W.E. – Lernwerkzeuge öffnen Wege zum Erfolg“ setzt an der genannten Stelle an und daran, dass die Arbeit mit Texten und Textmaterial als die häufigste Aufgabenstellung in der Schule anzusehen ist. Daher sind es vor allem Strategien der Entnahme von Wissen aus Texten („Lesen“) einerseits und Strategien der Organisation, Verknüpfung und Verarbeitung solcher Wissenselemente („Organisieren“) andererseits, die Lernen im Sinne der Schule fördern können. Aufgrund psychologischer Theorien zum Gedächtnis und zum Lernen sind sie als effektive „Generalstrategien“ der Aneignung und des Strukturierens von Wissensbeständen anzusehen. Für die Strukturierung und Organisation von Wissen gelten Verfahren und Techniken der Visualisierung von Wissen als besonders effektiv. Ergänzt werden diese beiden Strategiebereiche durch Techniken zur Konzentration und Entspannung, die den Wachheits- und Aufmerksamkeitsstatus optimieren und auch zur Auflockerung von Unterrichtsabläufen eingesetzt werden können. Insgesamt soll  damit das Arbeiten in der Schule leichter werden.

Primär zielt das Projekt auf die Verbesserung des strategischen Lernverhaltens von Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig jedoch geht es auch darum, Studierende mit der Anwendung und Vermittlung solcher Lern- und Arbeitsstrategien vertraut und damit zu potentiellen Multiplikatoren zu machen. Als dritte Zielgruppe stehen die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer im Fokus, die im Rahmen des Projekts die Reaktionen ihrer Schüler auf die vermittelten Strategien beobachten können. (wk)